Zum Inhalt springen
affen.net

Wissen

Affenarten bestimmen: Merkmale richtig vergleichen

Einen Affen sicher zu bestimmen gelingt selten anhand eines einzigen Merkmals. Ein langer Schwanz, eine auffällige Nase oder eine kräftige Gestalt geben Hinweise, beweisen aber für sich genommen noch keine Artzugehörigkeit. Am besten kombiniert man mehrere Beobachtungen mit dem bekannten Herkunftsgebiet. Dabei hilft es, zunächst eine größere Verwandtschaftsgruppe einzugrenzen und erst danach einzelne Arten zu vergleichen. Fotos sollten möglichst den ganzen Körper zeigen. Fehlt ein Merkmal im Bild, darf man sein tatsächliches Fehlen nicht einfach voraussetzen: Ein Schwanz kann beispielsweise hinter einem Ast verborgen sein.

Zuerst Herkunft und Beobachtungssituation prüfen

Der Fundort ist ein wichtiger Ausgangspunkt. Neuweltaffen stammen ursprünglich aus Mittel- und Südamerika, Altweltaffen aus Afrika und Asien. Menschenaffen leben natürlicherweise in Afrika und Asien. Solche Angaben verkleinern die Auswahl erheblich, solange es sich tatsächlich um ein wild lebendes Tier im ursprünglichen Verbreitungsgebiet handelt. Bei Bildern aus menschlicher Haltung sagt der Aufnahmeort dagegen wenig über die Herkunft der Art aus.

Auch eingeführte Populationen müssen bedacht werden. Berberaffen auf Gibraltar sind dafür ein bekanntes Beispiel. Bei einem unbekannten Foto sollte man deshalb zuerst klären, welche Angaben verlässlich sind. Eine grobe Einordnung mit offen benannten Unsicherheiten ist besser als ein genauer Artname ohne Begründung. Notiere sichtbare Merkmale getrennt von Vermutungen und prüfe anschließend, welche möglichen Arten mit allen Beobachtungen vereinbar sind.

Schwanz vorhanden, verkürzt oder nicht sichtbar?

Menschenaffen besitzen keinen äußeren Schwanz. Dazu gehören sowohl die großen Menschenaffen als auch die Gibbons als kleine Menschenaffen. Ein langer, deutlich sichtbarer Schwanz schließt diese Gruppen daher aus. Umgekehrt beweist ein fehlender sichtbarer Schwanz noch nicht, dass ein Tier ein Menschenaffe ist. Perspektive, Vegetation oder eine ungünstige Körperhaltung können ihn verbergen. Außerdem gibt es Affen mit sehr kurzem Schwanz.

Der Berberaffe hat nur einen Schwanzstummel. Auch Mandrille tragen einen auffallend kurzen Schwanz und können auf manchen Bildern fast schwanzlos erscheinen. Entscheidend ist deshalb der Vergleich mit weiteren Merkmalen wie Körperform, Gliedmaßen und Gesicht. Ein Schwanzmerkmal ist besonders nützlich, wenn seine Form und sein Ansatz klar erkennbar sind. Ist nur der Vorderkörper zu sehen, sollte die Schwanzfrage ausdrücklich offenbleiben.

Ein Greifschwanz ist mehr als ein langer Schwanz

Manche Neuweltaffen besitzen einen Greifschwanz, den sie zum Festhalten einsetzen. Besonders anschaulich ist das bei Klammeraffen und Brüllaffen. Der Schwanz kann einen Ast umfassen und bei der Bewegung zusätzliche Unterstützung bieten. Das tatsächliche Greifen ist ein aussagekräftiger Hinweis. Ein lediglich gebogen gehaltener Schwanz erlaubt dagegen noch keine sichere Aussage darüber, ob er diese Funktion erfüllt.

Nicht alle Neuweltaffen haben einen Greifschwanz. Totenkopfaffen nutzen ihren langen Schwanz etwa zur Balance, nicht als zusätzliches Greiforgan. Auch bei greiffähigen Schwänzen unterscheiden sich die Möglichkeiten: Kapuzineraffen sind nicht einfach mit Klammeraffen gleichzusetzen. Für die Bestimmung sollte man deshalb zwischen Länge, Form und beobachteter Funktion unterscheiden. Ein einzelnes Standbild kann diese Fragen häufig nicht vollständig beantworten und muss entsprechend vorsichtig interpretiert werden.

Nasenform: hilfreich für die grobe Einordnung

Bei vielen Altweltaffen stehen die Nasenlöcher relativ eng beieinander und sind eher nach unten gerichtet. Neuweltaffen zeigen gewöhnlich einen breiteren Abstand zwischen den Nasenlöchern und eine stärkere seitliche Ausrichtung. Daraus ergeben sich die Bezeichnungen Schmalnasenaffen und Breitnasenaffen. Diese Begriffe beschreiben grundlegende Verwandtschaftsgruppen, nicht einfach eine besonders große oder auffällige äußere Nase bei einer einzelnen Art.

Der Nasenaffe ist deshalb trotz seiner auffälligen Nase kein Breitnasenaffe, sondern ein Altweltaffe. Auf Fotos können Blickwinkel, Schatten und Fell die Nasenform zudem schwer erkennbar machen. Ein schräg aufgenommenes Gesicht ist für diesen Vergleich weniger geeignet als eine klare Vorderansicht. Auch hier gilt: Die Nase liefert einen Baustein der Bestimmung. Sie ersetzt weder die Prüfung des Körperbaus noch den Abgleich mit der geografischen Herkunft.

Größe und Proportionen sinnvoll vergleichen

Körpergröße kann die Auswahl eingrenzen, wird auf Bildern aber leicht falsch eingeschätzt. Ohne einen bekannten Maßstab wirken nahe Tiere größer als weiter entfernte. Zusätzlich unterscheiden sich Jungtiere von Erwachsenen und bei vielen Arten auch Männchen von Weibchen. Ein kräftiger Körper oder ein großes Gesicht darf deshalb nicht automatisch als Kennzeichen einer anderen Art gewertet werden. Alter und Geschlecht können den Eindruck stark verändern.

Wichtig ist auch, dieselben Maße zu vergleichen. Kopf-Rumpf-Länge und Stehhöhe sind nicht austauschbar; ein langer Schwanz gehört nicht zur Kopf-Rumpf-Länge. Für den praktischen Vergleich sind oft Proportionen hilfreicher: Wie lang erscheinen Arme und Beine, wie groß ist der Kopf im Verhältnis zum Rumpf und wie wird der Körper getragen? Solche Beobachtungen sollten möglichst aus mehreren Ansichten stammen, statt aus einer einzigen ungewöhnlichen Pose.

Aus mehreren Hinweisen eine vorsichtige Bestimmung bilden

Nach der groben Einordnung helfen charakteristische Fellzeichnungen, Gesichtsmerkmale und die Verbreitung bei der weiteren Suche. Ein Mantel, ein Bart oder auffällige Farbfelder können nützlich sein, müssen aber zu den übrigen Merkmalen passen. Fellfarben können sich mit dem Alter verändern oder zwischen den Geschlechtern unterscheiden. Licht und Bildbearbeitung erschweren zusätzlich den Vergleich mit Abbildungen in einem Steckbrief.

Ein sinnvoller Ablauf lautet daher: Herkunft klären, Schwanz prüfen, Nasenform und Körperbau betrachten, dann mögliche Arten vergleichen. Bleiben entscheidende Merkmale unsichtbar, ist eine Bestimmung auf Gruppenebene ein gutes Ergebnis. Nicht jedes Bild erlaubt eine sichere Artangabe. Verantwortungsvolle Bestimmung bedeutet, die Grenzen des Materials zu akzeptieren und keine zusätzlichen Eigenschaften zu erfinden, nur damit ein bevorzugter Name scheinbar passt.

Häufige Fragen

Ist jeder Affe ohne Schwanz ein Menschenaffe?

Nein. Berberaffen besitzen nur einen Schwanzstummel, und auf Fotos kann ein vorhandener Schwanz verdeckt sein.

Haben alle Neuweltaffen einen Greifschwanz?

Nein. Klammeraffen und Brüllaffen besitzen einen Greifschwanz, Totenkopfaffen dagegen nicht.

Ist der Nasenaffe ein Breitnasenaffe?

Nein. Er gehört zu den Altweltaffen. Der Begriff Breitnasenaffen bezieht sich auf eine Verwandtschaftsgruppe und nicht einfach auf eine große Nase.

Warum reicht die Größe für eine Bestimmung nicht aus?

Alter, Geschlecht, Perspektive und unterschiedliche Messweisen beeinflussen den Größenvergleich. Mehrere Merkmale müssen zusammenpassen.

Arten zum Thema

Zuletzt aktualisiert: